Vor Ort, um zuzuhören

Am vergangenen Montag war ich bei Christian Günther, dem Inhaber des Bar-Cafés Kleinschmidt in Eberswalde. Hintergrund waren seine Meinungsäußerung zu den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus, sein Hausverbot für Mandatsträger der CDU, SPD und Grüne von Kreis bis Bund sowie der große Artikel in der MOZ.

Ich glaube fest daran, dass wir auch bei sehr unterschiedlichen Meinungen immer im Gespräch bleiben müssen. Daher habe ich gern sein Gesprächsangebot angenommen.
Nach einem fast zweistündigen Gespräch kann ich – auch wenn wir in einigen Punkten nicht ganz zusammen kamen – seine Beweggründe etwas besser verstehen. Besonders da er sich ganz klar von den Querdenkern, Leugnern und von wirren Verschwörungstheorien distanziert hat. Ich habe im Gespräch einen sehr reflektierten Eberswalder erlebt, der sich seit Jahren sozial und kulturell in Eberswalde engagiert. Der Gastronom meint, er wird durch die Verordnungen inzwischen gezwungen, Menschen zu diskriminieren und das wird er – wie bisher – nicht tun. Daher sein demonstratives Aufbegehren.

Mir ist, trotz unterschiedlicher Ansätze, der gemeinsame Diskurs wichtig, um keine weitere Spaltung in der Gesellschaft voranzutreiben. Ich persönlich stehe hinter der Impfkampagne, habe aber auch Verständnis für Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht impfen lassen möchten und bin auch gegen eine generelle Impfpflicht. Ich hoffe aber dennoch, dass so viele Menschen als möglich das Impfangebot wahrnehmen (können), sofern sie es denn wollen.

Mir persönlich sind in dieser Diskussion folgende Punkte wichtig:

  1. Beide Seiten sollten immer miteinander im Gespräch bleiben und die Meinungen des anderen, soweit es möglich ist, auch respektieren.
  2. Ungeimpfte sollten nicht pauschal als unsolidarisch oder ähnliches diffamiert oder sogar ausgeschlossen werden.
  3. Es darf keine versteckte Impfpflicht geben, wie z.B. mit solchen Optionen wie 2G oder einem wirtschaftlichen Druck, wie den Verdienstausfall für Ungeimpfte bei Quarantäne.
  4. Der Respekt vor der Entscheidung für oder gegen das Impfen muss auf beiden Seiten gleichermaßen vorhanden sein.
  5. Impfangebote sollten weiterhin niedrigschwellig und unkompliziert bereit gestellt werden.
  6. Ein öffentliches soziales und kulturelles Zusammenleben für Geimpfte und Ungeipmfte muss m.E. sehr zeitnah ermöglicht werden.
  7. Die Politik sollte einen Weg skizzieren, wie wir gemeinsam zeitnah zu einer neuen Normalität kommen können, ohne Menschen dabei auszuschließen.
  8. Aktuelle Regeln und Verordnungen sollten, besonders wenn Fachleute und Betroffene auf deren Schwächen hinweisen, immer wieder auf den Prüfstand.

Wir haben uns verabredet, weiterhin locker im Gespräch zu bleiben – auch wenn jeder für sich von seiner Position aus solche Dinge nur schwer aktiv beeinflußen kann.

Foto: Titus Herrmann

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